Madulain > Leben in Madulain > Chalandamarz
Chalandamarz in Madulain
Wie Tradition den Frühling weckt
Wenn der 1. März näher rückt, liegt eine ganz besondere Spannung über den Gassen von Madulain. Der Chalandamarz ist hier weit mehr als ein historischer Brauch – er ist ein lebendiges Fest des Aufbruchs, bei dem gemeinsam der Winter verabschiedet und der Frühling willkommen geheissen wird. Zugleich ist er ein kraftvolles Bekenntnis zur rätoromanischen Kultur und zur gelebten Dorfgemeinschaft.
Auch wenn die Geschichte vom «Schellen-Ursli» den Chalandamarz weit über das Engadin hinaus bekannt gemacht hat, schlägt sein Herz in Madulain im eigenen, unverwechselbaren Rhythmus. Seit jeher begehen Madulain und Zuoz diesen besonderen Tag als stolze Einheit – getragen von Zusammenhalt, Verantwortung und gelebter Tradition.
Schon Wochen vor dem eigentlichen Fest kündigt sich der Chalandamarz an: Auf den Dorfplätzen hallt das erste Peitschenknallen, wenn die Buben eifrig üben. Für die ältesten Schülerinnen und Schüler, die Patruns und Patrunas, markiert diese Zeit einen bedeutenden Übergang. Als Festmeister übernehmen sie Verantwortung für Organisation und Ablauf und sorgen für das Wohlergehen der Jüngeren. Die Nacht vor dem Umzug ist kurz – erfüllt von Vorfreude und Aufregung. Noch vor Sonnenaufgang ziehen sie mit den schrill klingenden Talacs, kleinen Weckglocken, von Haus zu Haus, um alle Kinder rechtzeitig zum feierlichen Appell zusammenzurufen.
Der Festtag selbst entfaltet sich als eindrucksvolles Zusammenspiel aus Klang, Bewegung und Farbe. Beim Chalandamarz-Umzug hat jede Rolle ihre Bedeutung, jede Tracht ihre Symbolik. Die Kinder – Knaben und seit 2023 auch Mädchen – tragen blaue Bauernkittel (Chamijolas) und rote Mützen und stellen eine Viehherde dar, die mit lautem Glockengeläut den Winter vertreibt. Die Jüngsten übernehmen mit ihren hellen Glöckchen die Rolle der Kälber, während die älteren Schülerinnen und Schüler die schweren, tief tönenden Plumpas im gleichmässigen Rhythmus erklingen lassen.
Einen festlichen Kontrapunkt setzen die Mädchen in ihren prachtvollen Engadiner Trachten. Sie tragen eine wichtige gemeinschaftliche Verantwortung: Sie sammeln Spenden für die Klassenkasse und sorgen unterwegs für die Verpflegung der Gruppe. Über allem liegt das markante Knallen der Peitschen – ein uralter akustischer Weckruf an Natur und Menschen, dessen Wurzeln bis in vorchristliche Frühlingsrituale zurückreichen.
Am Nachmittag erreicht der Chalandamarz-Umzug seinen Höhepunkt bei der River Ranch. Dort versammeln sich Einheimische, Gäste und Heimweh-Engadiner zum grossen Finale: ein mächtiges Konzert aus Glockenklang und Peitschenknallen, das noch lange in Erinnerung bleibt. Im Anschluss lädt die Gemeinde Madulain zur traditionellen Stärkung ein – Latmielch e chastagnas, Kastanien mit Schlagrahm, die in geselliger Runde den Übergang zum Abend versüssen.
Mit der einsetzenden Dämmerung wandelt sich die Aufregung des Tages in festliche Vorfreude auf den Ballin in Zuoz. Dieser Chalandamarzball bildet den krönenden Abschluss des Festes. Die Schülerinnen und Schüler beider Dörfer präsentieren ihre Darbietungen und feiern anschliessend gemeinsam mit der Bevölkerung den Beginn des neuen Bauernjahres – tanzend, lachend und vereint.
Gerade dieser fliessende Übergang von jahrhundertealter Tradition zu lebendiger Gegenwart macht den Chalandamarz in Madulain und Zuoz so einzigartig.
Zuschauerinnen und Zuschauer sind herzlich willkommen!
Erleben Sie hautnah, wie mit vereinten Kräften, kräftigem Glockengeläut und gelebter Gemeinschaft der Frühling in die Plaiv gelockt wird.
Die aktuellen Details zum Chalandamarz-Umzug werden jeweils rechtzeitig hier veröffentlicht.
Der nächste Chalandamarz-Umzug findet am Samstag, 28. Februar 2026 statt.